Erfahrung

Liebeshymne an Joana

16:06:00

Ich spreche sie oft an, bringe Zitate oder Anmerkungen von ihr oder lobe sie bis in den Himmel und das zu recht. Sie ist diejenige, die mich versteht. Sie ist die, die an meiner Seite steht, egal was ist. Sie ist das was ich mir immer gewünscht habe – Eine beste Freundin.

Aber vielleicht einmal von vorne, ich hatte unsere kleine Geschichte schon einmal kurz angerissen, aber so richtig drüber berichtet habe ich noch nicht.

Ich ging nach meiner Grundschulzeit auf ein Gymnasium in der fünften und sechsten Klasse hatte ich eine gute Freundin, Milena. Wir machten jedes Wochenende was zusammen, aber sie war jemand der permanent im Mittelpunkt stehen wollte, was mir zuerst kaum auffiel, als wir uns immer zu zweit trafen. Aber dann hatten wir beide unseren ersten Freund und wir fuhren zu viert nach Sylt. Hier fiel es mir das erste Mal auf, sie machte sich sogar an meinen Freund ,,ran‘‘. Ich kleines Naivchen dachte mir noch nicht viel dabei, aber Momente in denen sie mich links liegen lass häuften sich. Schleichend löste ich mich aus dieser Freundschaft, was nach dem letzten Halbjahr der 6. Klasse auch kein Problem mehr war. Wir wurden neu aufgeteilt und da Milena Französisch und ich Latein wählte, waren wir ab sofort auch nicht mehr in einer Klasse.

Es begann eine schöne Zeit, die Mittelstufe. Klassenfahrten, erste Geburtstagspartys und die ersten Küsse. In dieser Zeit hatte ich meine damals beste Freundin Mirja kennengelernt. Wir waren unzertrennlich, hatten so viel Spaß miteinander, konnten über alles reden und niemand hätte sich vorstellen könne, dass wir uns einmal ,,auseinander leben‘‘ würden. Wir waren und ziemlich ähnlich, hatten denselben Mist im Kopf und waren in schweren Momenten immer für einander da. So auch, als ihre Mutter, nach einer langen Leidenszeit, aus dem Leben trat. Ich war jede Sekunde für sie da. Hatte ihr geholfen wieder auf die Beine zu kommen und sich wieder ein wenig Lebensmut zu beschaffen. Doch nach einem halben Jahr, nach dieser schrecklichen Zeit, war es vorbei. Es war für mich wirklich ein Schock. Sie wendete sich von unserer damaligen vierer Gruppe, die wir mit zwei weiteren Freunden bildeten, ab. Wendete sich der besten Freundin von Joana zu, die von den Herren der Schöpfung nur so umgarnt wurde. Da stand ich nun mit meinen zwei Jungs und wir verstanden die Welt nicht mehr. Grade weil ich so viel für sie da war, war es so unbegreiflich für mich und ich war wirklich am Boden. Die Begründung die sie uns gab, war gewiss keine Zufriedenstellung für mich, denn diese lautete indirekt ihr seid mir nicht ,,fame‘‘ genug, zu uncool. War es denn wirklich so uncool für die Freundin da zu sein? Auf der anderen Seite beschloss ich, dass wenn sie das nicht zu schätzen weiß, soll sie schauen wie viel Wert ihr Ansehen bei andern ist und vielleicht würde sie merken, dass wahre Freundschaft auf was ganz anderem beruht.

Ähnlich lief es auch bei Joana ab, sie war, wie ich schon sagte, immer ein Lehrerliebling. Vielleicht studiert sie auch deshalb nun Grundschullehramt. Was ich aber sagen möchte ist, dass man als Lehrerliebling ja nicht immer die Coolste ist. Also wand sich ihre beste Freundin Mirja zu und sie stand wie ich ratlos da. Bis dato hatten wir nicht viel miteinander zu tun, wir gingen zwar seit drei Jahren in eine Klasse, aber dadurch, dass ich immer meine Clique hatte und sie ihre, kamen wir privat kaum aufeinander zu. Das änderte sich Ende der 10. Klasse.

Wir wählten unsere Profilfächer, da Mirjas Wunsch immer etwas mit Medizin zu machen war, wählte sie Biologie. Joanas beste Freundin war ein Sprachenass und wählte somit der Sprachprofil. Da stand ich nun, mal wieder ratlos – was kannst du eigentlich, Mila?

Biologie? Naja, beinhaltet drei Jahre Chemie, das würdest du nie schaffen. Physik? Machst du Witze, ich bin eine Niete in Physik, Mathe und Chemie. Auch mit Sprachen hatte ich nicht viel am Hut, Englisch grade so die drei geschafft. Also blieb dort nur noch eins – Gesellschaftliches Profil. An unserer Schule war es auch bekannt als das ,,Chiller Profil‘‘. Perfekt. Meins.
Aber nicht und wegen dem entspannten Ruf wählte ich es, nein auch die Fächer lagen mir. Geschichte, Wirtschaftspolitik und Erdkunde waren schon immer Fächer die mir lagen. Dies galt nicht nur für mich, sondern auch für Joana. So näherten wir uns an, wir wussten bald stehen wir da zusammen da und nicht mehr mit unseren damaligen Freunden.

Oberstufe – die schönste und schlimmste Zeit meines Lebens, denn das die Schule war in der Zeit mein größtes Hobby. Joana und ich hatten uns mittlerweile ein paar Mal getroffen, verbrachten Freistunden in der Stadt zusammen und gingen gemeinsam Essen. Es war alle noch ein wenig ungewohnt und eine Vertrauensbasis war noch nicht so recht vorhanden. Aber im Laufe der Zeit, erzählten wir von unseren Beziehungen und unseren Sorgen. Wie lustig, es gab so viele Gemeinsamkeiten und Sorgen, Ängste aber auch Freude, die man teilt, die verbinden. So langsam bildete sich eine Vertrauensbasis. Nach dem ersten Jahr der Oberstufe waren wir gute Freunde, trafen uns gelegentlich, verbrachten jede Freistunde zusammen, hockten in den Pausen bei netten Gesprächen zusammen und lachten uns über die gleichen Witze kaputt. Nach und nach gingen wir öfter privat zusammen weg, ins Kino, Essen, feiern oder wir machten es uns mit ein paar DVDs auf dem Sofa gemütlich. Als ihre Trennung ins Haus stand, war ich für sie da und wir redeten so viel über alles. Liebe, Ängste, Gefühle und auch Sex war bei uns kein Tabuthema mehr. Die Grenzen waren gekappt. Wir entwickelten uns zu besten Freunden. Die nächsten Monate waren einfach wundervoll, eine bessere Freundschaft hätte ich mir nie wünschen können. Jahrelang hatte ich mir eine beste Freundin gewünscht – da war sie. Joana akzeptierte mich so wie ich bin, vielleicht auch, weil sie fast genauso war. Wir hatten die gleichen Einstellungen, Erwartungen und Ängste im Leben. Wir waren beide Sicherheitstypen, wobei sie das ganze immer geplanter anging als ich. Wir zeigten uns immer neue Wege auf, hielten uns gegenseitig den Spiegel vor, um auch mal andere Perspektiven zu sehen. Wir konnten Kritik ausüben, die wir dann zusammen nach Lösungen durchforsteten. Es war perfekt.

Dann wurde unsere Freundschaft auf die wohl größte Probe gestellt, Entfernung. Sie in Flensburg und ich in Hamburg. Aber wie Angst war unbegründet, mittlerweile führen wir seit knapp einem Jahr eine Fernfreundschaft und es war nie besser. Wir stellten uns gleich Termine auf, an denen wir uns sehen, skypen regelmäßig und über WhatsApp halten wir uns sowieso auf dem Laufenden.

Sie ist das was ich mir immer gewünscht habe – Eine beste Freundin. Danke, dass ich bei dir so ,,uncool‘‘ sein kann, Joana.

Habt einen schönen Tag,

Eure Mila


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