about me

Patchwork

21:01:00

Meine Freude. Meine Liebe. Mein Halt. Mein Zufluchtsort. Mein Herz. Mein Alles. Meine Familie.

Dies alles sind sie. Sie bringen mich zum Lachen, hauchen mir Freude ein, wenn es mir schlecht geht. Sie schenken mir bedienungslose Liebe. Stützen mich, wenn ich nicht weiter weiß. Ihre Tür steht immer für mich offen. Mein Herz ist voll mit ihnen. Sie gehören zu mir, sie sind meine Familie.
Meine Familie ist groß und kompliziert. Es gibt für mich zwei Familien, eine Familie die ich eher als Gastfamilie bezeichnen würde und eine die mein Ein und Alles ist.

Aber fangen wir mal an, euch das Ganz zu erklären. Ich wurde 1995 in einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein geboren. Meine Eltern waren noch jung, meine Mutter war 21 und mein Vater 22. Sie haben sich geliebt, waren verheiratet. Ich wuchs behütet auf. Als ich drei Jahre alt war, wurden meine beiden Brüder geboren. Zwillinge wie man sie aus Bilderbüchern kennt, kaum zu unterscheiden und nur Schwachsinn im Kopf. Aber etwas zerbrach. Nach nur zwei Jahren als gemeinsame Familie, zerbrach die Ehe meiner Eltern. Ich vermutete immer, dass sie sich einfach nicht mehr verstanden. Vor ein paar Jahren erfuhr ich die ganze Wahrheit, denn mein Vater nahm es nicht so genau mit der Treue. Vielleicht ist auch das der Grund der Gastfamilie.

Meine Mama lernte kurz darauf einen neuen Mann kennen. Wir zogen schon nach wenigen Monaten zu ihm, zuerst war es so ungewohnt. Neue Regeln, neue Gesichter, neue Umgebung – neue Familie. Doch er war toll! Er liebt uns wie sein eigenes Kind. Denn er brachte zusätzlich zu uns dreien auch noch einen Sohn mit. Er ist Witwer, denn seine Frau verstarb vor ein paar Jahren an Krebs. Sein Sohn war nur ein halbes Jahr jünger als ich. Wir hatten zwar einen schwierigen Start, da er mich gleich mit ,,Haareziehen‘‘ begrüßte, aber im Laufe der Zeit wurde er zu meinem ständigen Wegbegleiter, den ich niemals missen möchte. Wir überlebten die gesamte Schulzeit zusammen, unseren ersten Liebeskummer und viele wunderschöne Momente mit gemeinsamen Freunden.

Wir wuchsen als Familie so eng zusammen, vertrauten uns blind. Mein ,,Stiefvater‘‘ war für mich mein Papa. Er hat immer ein offenes Ohr, einen guten Ratschlag und eine dicke Umarmung bereit. Er ist ein wahrer Held in meinen Augen und eins meiner Vorbilder. Ich habe schon oft überlegt, wie ich es ihm einfach mal sage. Ich sollte es tun!

Die Krönung dieser schönen und wirklich harmonischen Patchwork Familie, fand im Jahre 2004 statt. Die Geburt meiner kleinen Schwester. Zuerst fand ich das ganze so überhaupt nicht witzig, ich befand mich mitten in der Pubertät und Änderungen meines näheren Umfeldes passten mir so gar nicht in den Kram. Ich musste mehr Verantwortung übernehmen, mal auf die kleine Schwester aufpassen, Fläschchen geben oder das Babyphone bewachen. Aber je älter sie wurde, desto stärker wurde unsere Bindung. Wir mussten uns immerhin gegen drei dickköpfige Jungs durchsetzen.

Mittlerweile ist die Kleine auch schon 11 Jahre alt und ich glaube ich hätte mir niemals eine bessere Schwester vorstellen können. Unser Vertrauen ist endlos. Sie erzählt mir von ihren ersten Jungs, in die sie verliebt ist. Ich habe mich bei ihr nach der Trennung ausgeheult. Klar, es ist natürlich alles auf einer anderen Ebene, als wenn ich zB mit Joana reden würde, aufgrund des Alters. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses Vertrauen auch noch in fünf Jahren so stark sein wird und wir neben Schwestern auch weiterhin beste Freunde bleiben. Ich freue mich schon so sehr auf ihre Zeit als Teenager. Das erste Mal feiern gehen, die erste Beziehung, das erste Mal und auch der erste Liebeskummer. All das möchte ich mit ihr erleben und für sie da sein.

So, dass war also mein Ein und Alles – meine Familie.
Kommen wir nun zur anderen Seite. Mein Vater hat nach ein paar gescheiterten Beziehungsversuchen im Jahre 2010 auch noch einmal den Bund der Ehe gewagt, den meine Mutter schon im Jahre 2006 erneut geschlossen hatte.

Seine neue Frau war mir etwas suspekt. Sie ist liebenswürdig, keine Frage – aber leider auch recht naiv. Kann sich gegen meinen manchmal wirklich sehr launischen Vater kaum durchsetzen. Aber es ist ihr Leben, nicht meins.

Ein Jahr nach der Hochzeit, bekamen auch sie nochmals ein Kind. Noch eine Schwester. Sie ist süß, sehr reizend. Aber sie wächst als Einzelkind auf und das merkt man hier sehr stark. Trotzdem liebe ich sie, aber eben auf einer anderen Ebene wie meine andere Schwester.
Ich besuche meinen Vater nur sehr selten, habe kaum eine innige Verbindung zu ihnen, da auch von seiner Seite nur wenige Annäherungsversuche kommen. Daher bin ich dort immer Gast und nicht ein Mitglied. Was nichts daran ändert, dass auch hier geliebt wird. Aber in der Art und Weise muss man differenzieren.

Meine komplizierte Familie – ich liebe sie.

Wie schaut es bei euch aus? Seid ihr zufällig auch eine Patchwork Familie? Wie kommt ihr damit klar? Ich hoffe, dass es bei euch ähnlich harmonisch ist, wie bei mir.

Ich wünsche euch noch einen  schönen Tag.
Eure Mila

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